Zukunft der Städte

Urbane Lebenswelten von morgen
Highlights der MCBW

Wie werden wir morgen leben? In Zeiten umfassender Vernetzung unserer Lebens- und Arbeitswelten, der Zunahme von Daten in Qualität wie Quantität und der Leistungsfähigkeit von Systemen Künstlicher Intelligenz zieht sich diese Frage durch nahezu alle Professionen, die sich mit der Zukunft der Städte und damit unseres Lebensraumes beschäftigen. Hinzukommt, dass die Städte der Lebensraum der Zukunft sind: Schon heute leben über 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, 2050 werden es fast 70 Prozent sein. Welchen Anforderungen muss die Stadt als urbaner Lebensraum zukünftig gerecht werden, vor allem wenn eine gute Infrastruktur allein die Bewohner nicht glücklich macht? Und jenseits des Glücks: Welchen Ansprüchen muss sich eine nachhaltige Stadtplanung stellen, was definiert eine lebenswerte Stadt der Zukunft und wie lassen sich ökologische Mehrwerte in die Architektur integrieren, ohne dass die Gestaltung darunter leidet? Wie auch immer diese Fragen im Einzelnen beantwortet werden, im Jahrhundert der Städte werden überall auf der Welt die Menschen mit wachsendem Lebensstandard ähnliche Anforderungen an ihren Lebensraum stellen. Die Idee, Lebensräume und damit Ressourcen gemeinschaftlich zu teilen und zu beleben, statt zu besitzen, wird zukünftig neue Anforderungen an Haustypologien stellen und Nutzungskonzepte beeinflussen. Gebäude der Zukunft müssen auf intelligente Weise unterschiedliche Nutzungen ermöglichen und verschiedene Aspekte einer gesunden Stadt mit innovativen Technologien kombinieren. Dadurch entstehen neue Architekturtypologien, die ein neues Verständnis von Stadt zeigen: eine Stadt, die Ressourcen optimal nutzt, trotz hoher sozialer Dichte ein attraktives urbanes Leben voller Lebensqualität ermöglicht und nachhaltige Lebensweisen fördert.

Diese Themen und weitere Fragen werden im Rahmen der MCBW 2020 mit dem Schwerpunktthema „Sustain by Design“ in Podiumsveranstaltungen, Ausstellungen, Vorträgen und Events diskutiert. Schließlich treibt gutes Design Nachhaltigkeit voran – ökologisch, ökonomisch und sozial. Die MCBW präsentiert in sechs Themenfeldern, was Design dafür tun kann, bereits tut und tun wird. Eines davon ist die Zukunft der Städte.

DAS TOR ZUR URBANEN ZUKUNFT

Durch die umfassende Vernetzung unserer Lebenswelten entsteht ein Zukunftsbild von Leben, Arbeiten und Wohnen, das sich grundlegend von unserem heutigen Bild unterscheidet. In seinem Institut geht der Zukunftsforscher Michael Carl der Frage nach, welchen Raum der Mensch von morgen zwischen Blockchain, künstlicher Intelligenz und umfassender Vernetzung hat. Denn urbaner Raum ist knapp – so lautet zumindest der Mythos der modernen Metropole. Doch gemessen an der Zeit stehen Wohnungen wie Büros meist leer. Wie kann die Stadt der Zukunft ihre Räume erschließen? Wie werden Gebäude flexibler sein? Wie wird die Stadt ihren öffentlichen Raum neu nutzen? Im Rahmen des Talks „Das Tor zur urbanen Zukunft“ diskutiert Michael Carl mit Gästen aus Industrie, Forschung und Stadtentwicklung Fragestellungen zur zukünftigen Nutzung öffentlicher Räume. Mit der Veranstaltung öffnet sich das Schwabinger Tor der Zukunft und gibt dem Dialog über Leben und Arbeiten in der Stadt einen neuen Raum.

ÜBERDACHT SOCIAL.DESIGN.BUILD

Auch und gerade im Bereich Architektur und Stadtplanung müssen in Zeiten massiver klimatischer und gesellschaftlicher Veränderungen bisherige Vorgehens- und Verhaltensweisen grundlegend „überdacht“ werden. Wie können beim Planen und Bauen vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten so eingesetzt werden, dass sozial ausgewogene und zukunftsfähige Lösungen gleichermaßen zum Wohl künftiger Nutzer und der Umwelt entstehen? Im Rahmen der MCBW veranstaltet der Architekturdienstleister Schnitzer& ein Symposium mit einer Ausstellung zu sozialen, nachhaltigen und zukunftsorientierten Architekturprojekten. Das Symposium will unterschiedliche Ansätze von „social.design.build“-Projekten von Hochschulen Planern zeigen und diskutieren. Auf dem Symposium gehen unter anderem Nicola Borgmann, Leiterin Architektur Galerie München, Prof. Ursula Hartig, Hochschule München, und Till Gröner, Projektleiter Supertecture, folgenden Fragen nach: Wie wichtig sind die Aspekte „social.design.build“ in den vorgestellten Projekten? Was sind die Ziele, was die Voraussetzungen für ein Gelingen der Projekte? Wo liegt der Nutzen für die Planenden und die Nutzer? Was lernt man daraus? Wieviel muss „überdacht“ werden? Was bewirken die Erfahrungen langfristig mit den Akteuren?

FUTURE LIVING – WIE WERDEN WIR IN ZUKUNFT WOHNEN?

Dieses Jahr findet der Münchner Stoff Frühling erstmals parallel mit der MCBW statt und nutzt damit die Lange Woche des Designs zur bestmöglichen Vernetzung vieler nationaler und internationaler Interior Designer und Innenarchitekten. 35 internationale Textilediteure, Tapeten- und Teppichhersteller – darunter Arte, Kvadrat, Kobe und SAHCO – präsentieren ihre Neuheiten mit über 90 Marken aus dem Premium-Segment in ihren Ausstellungsräumen. Eine weitere Premiere feiert der Stoff Frühling mit der ersten Ausgabe eines neuen ganztägigen Kongress-Formates: Unter dem Thema "FUTURE LIVING Wie werden wir in Zukunft wohnen?" wollen die Veranstalter mit facettenreichen Themen, hochkarätigen Referenten, packenden Interviews und anregendem Design-Talk inspirieren, zum neu denken anregen und aktuelle Entwicklungen aus Architektur und Design vermitteln. Dabei werden Hintergründe beleuchtet, neueste Erkenntnisse vermittelt und zukunftsweisende Lösungen angeboten. Auf dem Roof-Top des Literaturhauses soll zudem das Netzwerken in einzigartige Atmosphäre nicht zu kurz kommen.

SOCIO CITY: URBANITÄT GESTALTEN!

Das Institut für Universal Design (IUD) hat es sich zur Aufgabe gemacht Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in einem sozialverantwortlichen Kontext zu verknüpfen. Während der MCBW wird das renommierte IUD im Rahmen einer Konferenz zum Thema „Socio City: Urbanität gestalten" verschiedene Konzepte vorstellen und diskutieren, die sich mit der zukünftigen Gestaltung von Urbanität auseinandersetzen. Das Konzept „Urbanität“ stößt laut IUD an seine Grenzen, da es künftigen sozialpsychologischen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Disruptiver Wandel mit steigender Verunsicherung macht Ballungszentren zu heiklen Spannungsmotoren der Gesellschaft. Hinzukommen Anonymität und soziale Kälte, die als Krisentreiber wirken. Das Smart City-Konzept, das seit den 2000er Jahren von unterschiedlichen Akteuren in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtplanung verwendet wurde, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen in urbanen Räumen zusammenzufassen, überwindet diese Aspekte nicht und kommt den künftigen sozialpsychologischen Anforderungen nicht nach. Daher braucht es eine neue Urbanität – entwickelt mit integralem Social Design: Die neue Urbanität muss soziale Interaktion, Soziokultur und gemeinschaftliche Identität intensiv fördern, um den sozialen Frieden zu stärken.

MAKE MUNICH WEIRD

Im Zuge der MCBW veranstaltet die Technische Universität München einen Impulsabend zu den aktuellen Entwicklungen in Forschung, Praxis und Interventionen in städtischen Umgebungen, um München als „weird city“ zu aktivieren. Die Städte, die wir schätzen, sind voller Komplexität, Vielfalt und Widersprüche. Sie bieten Räume zum Erkunden, Entdecken und Experimentieren – die Quellen für Kreativität, Innovation und eine verantwortungsvolle Stadtgesellschaft. Die digitale Transformation ist eine räumliche Transformation. Das Panel diskutiert die Bedeutung und Abhängigkeit von Kreativität, Innovation und physischem Raum. MakeMunichWeird eröffnet den Dialog, städtische Umgebungen als Labore zu aktivieren, um neue Formen des Arbeitens und Schaffens zu entwickeln. Und München für eine kreative Klasse attraktiv zu machen.

MÜNCHNER GESRPÄCH ZUR STADTBAUKULTUR

Wie sieht die Architektur der zukünftigen Gegenwart aus? Bei der landläufigen Vorstellung von Architektur fehlt Max Otto Zitzelsberger die Faszination des Gewöhnlichen. Seine Projekte sind deshalb auffällig unauffällig, ihre scheinbare Gewöhnlichkeit macht sie so ungewöhnlich. Der gebürtige Landshuter Max Otto Zitzelsberger hat eine Juniorprofessur an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) inne, forscht zur Tektonik im Holzbau und beschäftigt sich dabei mit der Zusammensetzung des Naturmaterials. Seine Arbeiten, vorwiegend im ländlichen Raum, wurden jüngst mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem BDA Preis Max40, dem Weißenhof Architektur Förderpreis und den Nominierungen für den Förderpreis der Stadt München. Während der MCBW trifft Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk im Rahmen der Münchner Gespräche zur Stadtbaukultur auf Max Zitzelsberger. Stadtbaukultur umfasst viele Facetten den gebauten Raum und das urbane Leben genauso wie die politische Dimension von Stadt. Ziel der Gesprächsreihe ist es, jenseits des fachlichen Alltags Themen zu beleuchten, die für Münchens Entwicklung wichtig sind.

ARE WE HUMAN OR ARE WE DATA

Urbane Mobilität funktioniert nur, wenn der Mensch im Fokus steht. Wenn wir an die Zukunft der urbanen Mobilität denken, träumen wir von nahtlosen Fahrten von A nach B. Verspätungen sind ebenso passé wie überfüllte U-Bahnen. Für diesen Traum brauchen wir Daten. Viele Daten. Werden wir aber wissen, wer unsere Daten speichert? Werden wir unsere Privatsphäre für bestimmte Vorteile gerne abgeben? Können wir noch reisen, ohne unsere Daten anzugeben? Oder sind wir Bürger zweiter Klasse, wenn wir unsere Daten nicht preisgeben wollen? Während der MCBW wird die Futurice GmbH im Rahmen eines Vortrages die Zuhörer auf eine spannende Reise durch Szenarien urbaner Mobilität mitnehmen, die den Menschen in den Fokus stellt. Werfen wir einen Blick darauf, wie Design und Tech zusammenspielen müssen, um ein faires, liebenswertes Ökosystem zu schaffen.

SOUNDWALK CONNECTIVE LISTENING

Ein Soundwalk ist ein Hörspaziergang, bei dem man sich den Geräuschen und Klängen der Umgebung ganz widmen kann. Ob musikalisch, forschend oder als sinnliche Erfahrung – die Welt der Geräusche ist grenzenlos und fließend. Während der MCBW wird Found Waves einen Hörspaziergang durch die Maxvorstadt gestalten, bei dem sich die Teilnehmer den Geräuschen und Klängen widmen, die Welt neu erleben und neue Verbindungen erkennen. Das Schlüsselbild „Design Connects” wird in ein Audio-Erlebnis umgewandelt. Die Besucher beginnen an der Hochschule für Fernsehen und Film, gehen von dort aus an bestimmte Orte in der Umgebung, starten dabei eine spezielle Klang-Playliste und hören unerwartete Geräusche, die eine neue Sicht auf diesen Ort werfen.